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Manifest Raumstadt 1960: Die multiplikative Fähigkeit der Maschine und rapide steigende Bevölkerungszahlen hat unsere Zeit einen dynamischen Trend zur Massenproduktion, das Bedürfnis ist Quantität und Qualität mit geringstem Aufwand. Doch Lebensstandard durch Standardisierung scheint teuer erkauft mit wachsender Monotonie unserer industriell fabrizierten Umwelt und Einengung der Freiheit der Entscheidung. Das immer größer werdende Heer der Maschinen und Automaten wird dem Menschen einen immer größer werdenden Teil der manuellen Arbeit abnehmen. Elektronengehirne übernehmen die geistige Kärrnerarbeit. Doch Maschinen fabrizieren Serienprodukte, Elemente, und man wird ihnen sagen müssen, welche, man wird deren kombinatorische Fähigkeiten untersuchen müssen. Neue Materialien werden neue kombinatorische Systeme verlangen.Systematisierung des Raumes ist Bedingung für die räumliche Zusammensetzung genormter Teile und damit Grundlehre der Vorfabrikation.äumlich-modulare Koordination bietet trotz strengster Systematik große Freiheit der Auswahl und Anordnung und damit die Synthese der sich nur scheinbar ausschliessenden Tendenzen wirtschaftlicher Massenfertigung und individueller Vielfalt. Auswechselbarkeit der räumlich koordinierten Quanten erreicht Flexibilität und Anpassung in dynamische Entwicklungen. Geometrie, Topologie, Gruppentheorie, Kombinatorik werden das serielle Bauen beeinflussen.Raumstruktur ist eine modulationsfähige Makromaterie, in Analogie zu einem Denkmodell der Physik, wonach die Fülle der Erscheinungen sich auf wenige Elementarteilchen zurückführen laßt. Das physikalische Material ist ein Diskontinuum aus ganzzahligen Einheiten, Molekülen, Atomen, Elementarteilchen. Ihre kombinatorischen Möglichkeiten bestimmen die Eigenschaften des Materials. Erst die Modulation der Raumstruktur nach Art, Größe, Material und Position erlaubt das Wagnis, sie als umfassendes städtebauliches Ordnungsmittel anzubieten. Die Raumstadt ist ein diskontinuierliches Kontinuum, diskontinuierlich durch die Markierung zwischen Teil und Ganzem, kontinuierlich durch die unveränderlichen Möglichkeiten der Veränderung. Die perfekte Planung der Stadt ist in einer freien Gesellschaft weder möglich noch wünschenswert, sie bedeutet Festlegung auf Entwicklungen, die nicht vorhersehbar sind.Raumstadt dagegen ist eine der Entwicklung folgende Agglomeration von verschiedenen Raumstrukturen, der Duktus der Struktur lenkt die unvermeidliche Wucherung in geordnete Bahnen, die Freiheit liegt in den unendlichen Möglichkeiten der Kombination.geeigneter Detailausbildung erlaubt die Maßkoordination die Auswechslung aller Teile untereinander. Möglichkeiten der Lösung des grundsätzlichen Dilemmas zwischen der Dynamik des städtischen Lebens und der Statik des Gebauten zeichnen sich ab. Elektronische Rechenzentren untersuchen die statischen und organisatorischen Bedingungen der Veränderung, automatische Fabriken produzieren die materielle Substanz der Stadt.bewohnte Raumtragwerke überbrücken große Spannweiten durch ihre große statische Höhe. In den Zentren der Verdichtung löst sich die Stadt vom Boden, ihn dem mechanischen Verkehr überlassend. Durch die Möglichkeit der größeren Verdichtung, durch die Überbauung von Verkehrsflächen und Wasserläufen, durch die Freihaltung ganzer Ebenen für den fließenden oder ruhenden Verkehr, durch die rigorose Trennung der Verkehrsarten ist eine Lösung der Zirkulationsprobleme in den Ballungszentren möglich. Dem Verkehr und seiner unabsehbaren Entwicklung stellen sich möglichst wenig Hindernisse in den Weg, damit die Mehrzahl der heutigen Probleme von vornherein vermeidend. Andererseits schafft die Raumstadt einen kontinuierlichen, dreidimensionalen, vom Verkehr befreiten öffentlichen Raum, der verlorenging, als das Automobil Straßen und Platze zu Rollbahnen und Parkflächen pervertierte. Ein mit dem Raumraster identisches dreidimensionales Koordinatensystem erleichtert Organisation und Orientierung in der Raumstadt, dennoch laßt die Vielfalt ihrer Materialisation Raum für Individualität und Anarchie. Dank der Ordnung des Raumes paßt sich die bauliche Substanz jeder topographischen Gegebenheit an, sie aufnehmend, verändernd, nivellierend oder erhöhend.Raumstadt begleitet das Profil der Landschaft als eine kristallinische Schicht, sie ist selbst eine Landschaft, vergleichbar geologischen Formationen mit Gipfeln und Tälern, Schluchten und Hochebenen, vergleichbar der Blattzone des Waldes mit seinem Zweigwerk. Zur Regeneration der vorhandenen Städte spannen sich Strukturen über deren degenerierte Teile und provozieren ihren Abbruch.Konsequenz dieser Gedanken fordert, daß Eigentum oder Nutzungsrechte nicht mehr - der agrikulturellen Tradition folgend - auf die Bodenfläche (als landwirtschaftliches Produktionsmittel ) bezogen werden, sondern auf den Nutzungsraum. Die kompakte Stadt bietet Möglichkeiten eines besseren Wärmehaushaltes, einer Autoklimatisation, sie erlaubt sogar in Zukunft ein kontrolliertes Binnenklima der Stadt, das die Kosten für die Isolierung des Einzelbaues radikal vermindern könnte. Die Raumstadt ist das strukturelle ,systematisierte, präfabrizierte, montierbare und demontierbare, wachsende oder schrumpfende, anpassungsfähige, klimatisierte, multifunktionale Raumlabyrinth.
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