MASSAGE ?
MESS !
![]() |
|
![]() |
|
![]() |
|
![]() |
|
![]() |
|
![]() |
|
Die Ausschreibung der Stadt Köln war in ihren Zielen und Wertsetzungen, in der Komplexität ihrer Betrachtung, ja selbst in ihren Zweifeln und Unsicherheiten hervorragendes Papier, welches die Jury offensichtlich nicht zur Kenntnis genommen hat.
So steht dort geschrieben, daß der "neue Stadtteil Mediapark räumlich und funktional eng mit den angrenzenden Gebieten verknüpft werden soll."
Wie entscheidend und prekär solche Überlegungen sind zeigt das Beispiel Gerling in unmittelbarer Nähe, mit viel besseren Voraussetzungen durch hervorragende Binnenlage zwischen St. Gereon, Friesenstraße und Kaiser-Wilhelm-Ring, und dennoch seit 30 Jahren verödet aus verschiedenen leicht analysierbaren Gründen: Wie viel schwieriger der neue Stadtteil, in Randlage, mit Bahndamm und Niemandsland im Rücken, von Stadt und Ring isoliert durch eine Hauptverkehrsader. Vier der sechs gewählten Entwürfe trennen diesen Stadtteil durch den Park von Stadt und Ring, ein fünfter (Zeidler) sogar durch einen See als Abstandhalter (wo man leicht "Burggraben mit Zugbrücke" assoziieren kann), um den Zugang zu erschweren, ja den nicht zielgerichteten, zufälligen, beiläufigen, spontanen, für das Einwachsen des neuen Stadtteils aber wichtigsten sogar zu unterbinden. Zwei Entwürfe trennen hingegen den Park durch die Mediastadt vom Ring.
Angesichts der geforderten Hälftung des Grundstücks (Mediastadt und Stadtteilpark) ist kaum verständlich, dass Entwürfe mit Längsteilung des Geländes favorisiert wurden, wo doch durch Querteilung für Stadtteil und Park gleiche Lagegunst zu Stadt und Ring- möglich ist.
Vehikel der Belebung sollten 250 Wohnungen sein. Damit sollte der"Gefahr eines monofunktional geprägten Büro- und Gewerbeviertels auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten entgegengewirkt werden". Sie sind durchaus nicht als "Werkssiedlung" neben der Medienfabrik gemeint (wie z.B. bei Ungers oder Zeidler), "sondern nicht räumlich und baulich konzentriert" und nicht isoliert von der gewerblichen Bebauung. ,
Der geforderte "Innenstadtpark" ist ein finanzieller Kraftakt der Stadt Köln von etwa 100 Millionen DM (Verzicht auf Veräußerungsgewinne und Anlagekosten) und behindert zugleich die Erweiterung einer einmal vielleicht erfolgreichen Mediastadt.
Er rechtfertigt sich nur bei optimaler Lage, nicht jedoch als Bahndammbegleitgrün hinter der Bebauung oder gar umgekehrt als Erweiterung des heute toten Herkulesgrüns. Zwei der gewählten Entwürfe zeigen einen solchen Hintergarten, kaum die Investition wert, ein Hundertmillionen DM Missverständnis, vier einen Vorgarten, der die Mediastadt vom Ring trennt und das Einwachsen verhindert, beides gleichermaßen problematisch. Hingegen ist der in der Ausschreibung geforderte Versuch einer "Kolonisierung" des Herkulesgrüns in den gewählten Entwürfen kaum zu erkennen.
Hauptzugang ist nach Ausschreibung die Hermann-Becker-Straße als kürzeste Verbindung zum Kaiser-Wilhelm-Ring, und Hansa Ring und U-Bahn. Dieser Zugang sollte nicht verzettelt werden, um Frequenz und Belebung des öffentlichen Raumes zu fördern zur Verbesserung der Akzeptanz im neuen Stadtteil.
Von hier ergäbe sich die Möglichkeit einer kurzen, attraktiven, wenig "unwirtlichen" Verbindung zwischen Ring und Herkulespark, entschieden gefördert natürlich durch eine S-Bahn-Station Mediapark, also eine Frequenz- und Attraktivitätsspange zwischen Ring und Herkulespark, zwischen U-Bahn und S-Bahn, mitschiffs durch den neuen Stadtteil.
So könnte bei optimaler Anbindung der Herkulesberg vielleicht sogar einen (schlecht situierten) Stadtteilpark ersetzen.
Im Gegensatz dazu stehen Entwürfe wie Minohara, deren öffentlicher Raum von Bahnunterführung gegen Bahndamm, vom Nichts ins Nichts führt, die beste Methode, Öffentlichkeit im Mediapark zu ersticken.
Die Verkehrsverbindung zwischen Nord-Südfahrt und Kanalstraße berührt den Mediapark zwischen Kümpchenhof und Bahnunterführung, völlig zu Recht soll nach Ausschreibung "die Anbindung des Mediaparks über diese Anschlußpunkte erfolgen", die Maybachstraße jedoch beruhigt bleiben, im Gegensatz zu diversen Lösungen der Preisträger wie z.B. Ungers, die sogar zusätzlich zu Haupterschließungsstraßen zwischen Stadtteil und Park führen (Ungers, Zeidler).
Abwegig erscheint nun die nachgeschobene Anregung der Stadt (Stadtanzeiger vom 16.1.88) für eine Tunnelschleife, dürfte diese doch ca. 50 Millionen DM aus Etatmitteln kosten, Verzögerung und neue Planungszwänge für den Mediapark bringen, wo doch weniger die Erftstraße als Kümpchenshof und Bahnunterführung die Engpässe sind. Bei intelligenter Planung wird die Erftstraße kaum zusätzlich belastet und solche Verschleuderung von Steuergeldern vermieden durch direkte Anbindung des Ziel- und Quellverkehrs der privat finanzierten Tiefgaragen an die o.a. Anschlußpunkte nach Ausschreibung.
Der Entwurf soll nach Ausschreibung "ein Höchstmaß an Variabilität und Anpassung an die Anforderungen der Nutzer ermöglichen", also eine indeterminierte Planung, eine diffuse, weil nicht vorhersehbare Abgrenzung der Nutzungen. Dies wirft die Frage der Körnung der Bebauung auf: Für Großinvestoren (interessiert nur an Renditen) und deren Mieter mögen vorgefaßte Großformen tauglich sein, für den wichtigen selbstnutzenden kleineren Investor, den investierenden Nutzer, der Selbstdarstellung durch sein Gebäude will und sich am ehesten nachhaltig mit dem Mediapark identifizieren wird, findet sich in vielen Vorschlägen kein Platz.
Jury und Teilnehmer sind häufig einer optischen Täuschung aufgesessen, war doch der Darstellungsmaßstab 1:1000 und nicht wie üblich 1:500, wie überhaupt dies (weithin unverstanden) ein städtebaulicher Ideenwettbewerb war, nicht ein Architekturwettbewerb und schon gar nicht ein Grafikwettbewerb.
Bemerkenswert an diesem Verfahren (die vorzügliche Ausschreibung ausgenommen) ist der Mangel an Begrifflichkeit: Die Fachjury hat sich weder an die Kriterien der Ausschreibung gehalten noch bei wichtigen Kontradiktionen eigene entwickelt, gewichtet und begründet. Sie hat keine gemeinsame Elle für die Beurteilung gehabt: daher ihre Hilflosigkeit. Sie hat weder sich entscheiden noch überzeugend begründen noch irgendetwas empfehlen oder gegen irgendetwas protestieren können. Sie hat eine heterogene Sammlung von sechs Arbeiten an Auslober oder gar Interessenklüngel rücküberwiesen, mit der Bitte um gefl. Entscheidung. Ein zweifacher Schaden für das Wettbewerbswesen:
- ein Auslober hatte sich mühsam und eigentlich contre coeur entschlossen, die Architektenschaft an der Planung zu beteiligen und bekommt nach langem und kostspieligem Verfahren weder Empfehlungen noch Entscheidungen noch Kriterien.
- Die Teilnehmer, getäuscht durch die Missachtung der Ausschreibung durch die Jury und enttäuscht von einer nicht begründeten und nicht nachvollziehbaren Nichtentscheidung: Degeneration des Wettbewerbs zur Lotterie.
Eine nicht auszuschließende öffentliche Mißdeutung der aufrichtigen Mühen des Preisgerichts wäre Folge der üblichen Geheimniskrämerei: Jede Ratssitzung, jede Gerichtsverhandlung ist öffentlich, nur eine Jury scheut das Licht der Öffentlichkeit, sogar über die Entscheidung hinaus berufen sich Preisrichter auf "Schweigepflicht".
Dem Vernehmen nach liegen die "grafischen Glanzlichter" (Zeidler und Minohara) vorn: Produkt offenbar des fragwürdigen Einflusses von Medienexperten in der Jury, die natürlich am Tropf der Medien hängen, who take the medium for the message, das Bild für die Realität, die nicht verstehen, daß ein Bebauungsplan nur eine Handlungsanweisung ist, concept art, dessen Qualität aber auch nichts mit seiner (wenn auch noch so spektakulären) Grafik zu tun hat, kurzum der auch durch das Medium Fernsehen geförderte postmoderne Ersatz des Denkens durch das Image.
Bleibt also Ungers: Eine Reihung von zu großen "Ehrenhöfen", Körnung und Stil in subtiler Verwandschaft zu Gerling-Breker und Allianz, durch Ausgliederung der Wohnungen monofunktionalisiert, mit Bahndammbegleitgrün im Rücken statt des geforderten Innenstadtparks ("What do you want a park for, do you want to be killed?"), in der Architektur determiniert bis zum Fensterformat, mit der persönlichen Duftnote ihres Schöpfers (Quadratur der Architektur), eine seriöse, wenn auch autoritäre Gestaltung, dargebracht als (unnützes) Opfer den verschiedenen späteren Investoren und ihren Planern, eine Anlage von 1000m Länge, die die gewünschten "synergetischen Wirkungen" zwischen den Nutzern erschwert, da solche Binnendistanzen schon wieder jenseits spontaner Fußläufigkeit sind, eine Verzettelung der Zugänge mit der Folge nirgendwo erreichbarer Benutzungsdichte als Voraussetzung von Urbanität und Attraktivität, mit einer Erschließung, die den Verkehr in die Maybachstraße und an den Park zieht, ohne eine gangbare Anbindung des Herkules ....
Dennoch bleibt also Ungers, einer unter sechs, der den Mediapark mit der Stadt vernetzt, der einen Stadtteil will und nicht ein "Center", unter den gekrönten das beste, gemessen an den komplexen Anforderungen der Ausschreibung jedoch kein gutes Konzept.
Kölns Altstadt und Stübbens Kölner Neustadt werden das Implantat abstoßen.
Für ein "Center", das nicht die schwierige Integration mit allen Mitteln anstrebt, ist diese einmalige Lage zu schade, eine hochglanzkaschierte "tote Hose" kann an beliebigem Ort liegen, Kölnberg oder Chorweiler, und über ihre "Medien" mit der Stadt kommunizieren. Lediglich auf die fiskalisch richtige Situierung wäre dann zu achten.
Da war doch gefragt ein Projekt, "richtungweisend nicht nur für Köln, sondern für zukunftsorientierte städtebauliche Lösungen in großen Metropolen ....... (Originalton Ausschreibung)
ECKHARD SCHULZE-FIELITZ